Ökonomisches Potential

  • Was sollten die vorliegenden Fakten für einen Ökonomen bedeuten? Nicht viel, wenn er sich an den konventionellen Fragen seines Fachs orientiert:

    Liegt ein Wachstumsmarkt vor? Nein.
    Liegt eine Marktnische vor, in der man sich mit wenig Konkurrenz einrichten kann? Eher nicht.

    Eben das ist der Punkt, der den Unterschied des Entrepreneurs zum herkömmlichen Ökonomen ausmacht: In etwas Vorhandenem ein Potential erkennen, obwohl die ökonomischen Erkennungsmuster dafür nicht passen.

    Wasserhyazinthen? -Kein Potential. Oft untersucht, ohne Ergebnis. Ein Sessel? - Der Möbelmarkt ist gesättigt.
    Eher durch Zufall wurde ich auf den Sessel aufmerksam. Das schöne Stück stand im Studio der thailändischen Designerin Khun Tük.

  • Jedes einzelne Teil für sich, die Wasserhyazinthe oder der Sessel, hat nichts Erfolgversprechendes.
    Beide Teile zusammen gesehen sind eine Provokation: Lästiges Unkraut wird plötzlich zu einem Rohstoff von unerschöpflichem Potential.

    Oder anders ausgedrückt: Turn a problem into an entrepreneurial opportunity.

    
Die Geschichte der Idee von den Wasserhyazinthen in dieser Weise dargestellt, könnte den Eindruck erwecken, die Probleme lösten sich quasi von selbst. Dieser Eindruck wäre falsch.
    Vom ersten Einfall, über Recherchen und Experimente bis zur ausgereiften Idee, vergingen Jahre. Vom ersten Prototyp für die Bundesrepublik bis zum richtigen Start des Verkaufs in diesem anspruchsvollen Markt waren es noch einmal drei. 



    Aus: Günter Faltin: Das Netz weiter werfen.
    In: Faltin, Ripsas, Zimmer (Hrsg.):
    Entrepreneurship. Wie aus Ideen Unternehmen werden. München. 1998.